Prof. Hermann Kokenge: „Eine Exzellenzuni ist ohne Studierendenhaus nicht denkbar“

Kokenge

Prof. Hermann Kokenge ist Professor für Landschaftsarchitektur an der TU Dresden. Über sieben Jahre stand er als Rektor an der Spitze der Universität. Wir haben ihn um seine Meinung zum Campus, dessen Entwicklung und dem Studierendenhaus gebeten.

Herr Kokenge, Sie haben als Rektor zwei Amtszeiten die TU Dresden und damit auch den Campus gestaltet. Wie bewerten Sie die Entwicklung des Campus in den letzten Jahren?

Es ist in den vergangenen Jahren gelungen, verschiedene Bauprojekte zu realisieren bzw. sie auf den Weg zu bringen. So konnten u. a. das Zentrum für Energietechnik, der zweite Bauabschnitt des Chemiegebäudes und der zweite Bauabschnitt des Bioinnovationszentrums in der Johannstadt fertiggestellt werden. An der Nöthnitzer Straße ist das Technikum im Bau.

Ebenso konnte die Planungen für die Sanierung von Altbauten vorangetrieben werden. Der Fitz-Förster-Bau und auch der Beyer-Bau werden in den nächsten Jahren (endlich) grundlegend überholt und zum Teil für neue Nutzungen umgeändert werden.

Andererseits gibt es nach wie vor einen großen Bedarf an Neubauten, wenn man z.B. an die Sprach- und Literaturwissenschaften denkt oder sich die Baulichkeiten an der August-Bebel-Straße ansieht. Und auch bleibt festzustellen, dass der größte Teil der Altbauten sanierungsbedürftig ist.

Insgesamt halte ich es für notwendig, dass eine Konzeption, ein „Masterplan“ für die bauliche Entwicklung der Universität erstellt wird. Der Anfang der 1990er Jahre erstellte Rahmenplan ist überholt und u.a. wegen der dort vorgesehenen baulichen Dichte auf dem Hauptcampus zu hinterfragen.

Welchen weiteren Handlungsbedarf sehen Sie insbesondere aus der Sicht als Landschaftsarchitekt, um den Campus attraktiver zu gestalten? Welche Maßnahmen können Sie benennen?

Der Masterplan sollte nach meinen Vorstellungen ein „Leitbild“ enthalten, in dem auch gestalterische Vorgaben getroffen werden.

Heute ist der Hauptcampus auf der Südhöhe von einer großen Heterogenität gekennzeichnet: Neben architektonisch anspruchsvollen Neu- und Altbauten gibt es eine Fülle an Provisorien, nicht maßstabsgerechten Gebäuden und Einzellösungen (man könnte auch von Notlösungen sprechen), die weder von der Qualität überzeugen, noch einen Beitrag zu einem stimmigen Gesamtbild leisten. Die vorhandenen Wege entsprechen teilweise kaum mehr der Verkehrssicherungspflicht.

Straßen, Wege und Plätze sind mit einer Fülle unterschiedlichster Materialien versehen. Bänke und sonstige Aufenthaltsmöglichkeiten gibt es nur sehr wenige, die wiederum zum Teil stark ausbesserungsbedürftig sind und ebenfalls kein durchgängiges Muster erkennen lassen. Ein Beleuchtungskonzept besteht nicht. Das Durcheinander setzt sich bei der Bepflanzung fort. Auch hier ist kein durchgängiger Gestaltungsansatz zu erkennen. Hinzu kommt, dass der Pflegezustand sehr zu wünschen übrig lässt. Zur Zeit nehmen Parkplätze einen großen Teil der Freiflächen in Anspruch. Eine sinnvolle Begrenzung und Ordnung der Parkplätze wäre notwendig.

Teil des Masterplanes sollte deshalb ein Nutzungs- und Gestaltungskonzept der Freiflächen sein. Differenzierte Aufenthaltsflächen im Freien, Spiel- und Sportmöglichkeiten, Fuß- und Radwegeverbindungen, Erschließung und ruhender Verkehr sind nur einige Stichworte für ein solches Konzept.

Die Außenräume des Campus auf der Südhöhe bieten ein großes Potential zur Attraktivitätssteigerung der Universität. Dieses Potential zu nutzen, würde bedeuten, den Studierenden sowie allen übrigen Mitgliedern der Universität ein nicht nur ästhetisch ansprechendes sondern auch ein vielfältig nutzbares Umfeld anzubieten. Hiermit dürfte auch ein Beitrag zur Identifikation mit der Universität verbunden sein.

Zusätzlich würde eine so „gestaltete“ Universität auch einen Anziehungspunkt für die Bewohner des umgebenden Stadtbezirks bilden. Aus meiner Sicht wäre es wünschenswert, wenn die Freiflächen der Universität gleichzeitig auch von der Stadtbevölkerung aufgesucht würden. Heute ist das Universitätsgelände an Wochenenden fast menschenleer. Die Universität ist Teil der Stadt. Sie sollte sich deshalb nicht verschließen, sondern sich öffnen und zusätzliche Möglichkeiten für die Bewohner aufweisen.

Studierendenvertreter haben immer auf ein Ende des Provisoriums „StuRa-Baracke“ gedrängt. Auch Sie haben sich seinerzeit mit dieser Forderung konfrontiert gesehen. Woran ist der Neubau bisher gescheitert?

Ich kann nicht sagen, dass die Studierenden immer darauf gedrängt haben, dass die StuRa-Baracke ersetzt wird. Ich kann mich an verschiedene Gespräche mit Vertretern des Studentenrates erinnern, in denen deutlich wurde, dass man die „Selbstbestimmtheit“ und die absolute „Aufsichtslosigkeit“ sehr schätzte und gleichzeitig befürchtete, dass in einem Neubau diese Freiheiten zumindest einschränkt würden. Gescheitert ist ein Neubau aber bisher an der fehlenden Finanzierung.

Mit der Gründung der Initiative für ein Studierendenhaus an der TU Dresden wird das Anliegen nun wieder auf die Agenda gesetzt. Wie wünschen Sie sich ein Studierendenhaus, was bedeutet Ihnen ein solches Projekt?

Ein Studierendenhaus wäre eine tolle Sache und würde dem Campus sehr gut tun. Denn, so jedenfalls würde ich mir ein solches Haus wünschen, es wäre ein Gebäude voller Leben, auch am Abend, auch am Wochenende.

Es sollte deshalb an zentraler Stelle auf dem Campus errichtet werden.

Es müsste neben den Funktionsräumen des Studentenrates auch Möglichkeiten der Begegnung bieten, nein, es müsste zur Begegnung animieren: zwischen Studierenden, zwischen Studierenden und Professorinnen und Professoren und allen anderen Gruppen der Hochschule und auch mit Leuten außerhalb der Uni. Ein Café oder eine Kneipe wäre notwendig, Räume für ungestörte Gespräche in kleinen und größeren Runden, Angebote für Studierende aus dem Ausland, für Erstsemester….. Und natürlich auch Flächen im Außenraum zum Grillen, zum Aufenthalt….

Haben Sie einen Tipp, wie die Initiative ihrem Ziel näher kommen kann?

Verbündete suchen in der Politik, innerhalb der Uni, bei Prominenten aller Art; das Thema auf die Tagesordnung von allen nur möglichen Sitzungen bringen und es konsequent immer wieder zur Sprache bringen.

Die Öffentlichkeit suchen und Artikel in den Zeitungen schreiben. Eine Exzellenzuni ist doch ohne Studierendenhaus nicht denkbar, oder?

 

Herr Prof. Kokenge, vielen Dank für das Gespräch.
Es fragten Kristin Hofmann und Nick Wagner .

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